Dein digitales Erbe

Geschrieben von Daniel am 29. May 2012 | Abgelegt unter Dies&Das, Elbtunnelblick.de

Der Mensch ist eine Lebewesen, das sich von seinem Wesen her hauptsächlich mit dem Leben beschäftigt und wenig mit dem Tod. Vielleicht ist das ein Grund für den Begriff.

“Todeswesen” würde ja irgendwie auch blöd klingen und schon gar nicht auf uns Menschen zutreffen. Vielleicht auf ein paar depressive Nachbarn…  – aber lassen wir das.

Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem dunklen und verdrängten Thema des Todes und passt eigentlich nicht zu dem herrlichen Wetter draußen. Und dennoch ist es so wichtig, dass ich es mit Euch diskutieren möchte.

Vor ein paar Wochen ist in meiner Familie ein lieber Mensch verstorben und schon wurde ich mit dem Tod konfrontiert. Ich wurde aus meinem Lebenslauf gerissen. Alltägliches wurde banal. Probleme zu Problemchen. Die normale Denke im Alltäglichen Ablauf wird unterbrochen und man setzt sich auf einmal ganz anders mit dem Leben auseinander. Aber auch mit dem Tod.

Als ich diesen alten vertrauten aber auch verfallenen Menschen im Bett liegen sah, vernetzt mit Schläuchen und Kabeln, wurde mir zunächst bewusst wie ich nicht sterben möchte. Und gleichzeitig wurde mir bewusst, dass man sich die Art des Sterbens und den Zeitpunkt nicht aussuchen kann. Genauso wenig wie die Geburt. Und plötzlich schiessen Gedanken durch den Kopf.

Was wäre wenn:… wenn ich morgen eine Dachpfanne auf den Kopf bekomme oder von einem Auto überollt werde und von einem auf dem anderen Schlag nicht mehr Lebe.

Klar. Für mich wäre das Spiel aus und meine nächsten Angehörigen würden meine Güter und Werte erben, die sie in meiner Wohnung und auf meinen Konten finden.

Das war früher eine einfache Sache. Mehr als den Hof, die Kühe und das Land gab es nicht zu vererben. Es hat sich nichts großartiges verborgen. Alles was es zu erben gab, war physisch auch sichtbar.

In meinem Fall stelle ich mir die Frage was mit meinen virtuellen Gütern & Urheberrechten geschieht, bzw. wie meine Verwandten davon wissen sollen.

Fakt ist, dass sie wissen, dass ich meinen Unterhalt zu einem anständigen Teil aus dem Internet verdiene. Wie ich das Mache und wo, weiss keiner von denen so ganz genau. Das ist auch viel zu abstrakt für die meisten, die nicht zur Internetgeneration gehören. Wenn ich von Fotolia erzähle, wissen die schon nach zwei Tagen nicht mehr, wie diese Fotoseite heisst.

Wie kann man also für das digitale Erbe vorsorgen? Einfach einen Zettel schreiben, auf dem alle Internetseiten samt Passwörtern gelistet sind? Ich bezweifle, dass das sehr sicher ist.

Denn nach einem Todesfall versuchen die Hinterbliebenen die Abwicklung des Verstorbenen so schnell wie möglich zu machen. Niemand macht sich die Mühe und schaut sich jeden Zettel des Verstorbenen an. Meist kommt eine Entrümpelungsfirma und leert die Wohnräume.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die wichtigen Notizen im Müll landen ist also recht hoch.

Den Zettel an einem sichtbaren und präsenten Ort aufzuheben, halte ich auch für keine gute Idee. Im Falle eines Wohnungseinbruchs wäre das ziemlich dämlich.

Ebenso bringt es meines Erachtens nichts, eine Datei auf einer Festplatte abzulegen. Die wird keiner finden zwischen den 10 Terrabyte und ist damit ähnlich unsicher wie der handgeschrieben Zettel.

Es fehlt also ein digitales Testament, welches den Hinterbliebenen automatisch nach dem eigenen Tod zugestellt wird. So eine art digitaler Notar, dem man vertrauen kann und der hohe Sicherheitsstandarts an seine Datenbank setzt. Denn für Hacker wäre eine solche Datenbank ein lohnenswertes Ziel.

Ich habe mich einen ganzen Tag mit dem Thema beschäftigt und habe weder im Internet, noch im Freundeskreis eine passable Lösung gefunden.

Übrig bleibt bisher eigentlich nur der Gang zu einem Offline-Notar, der allerdings einiges an Geld kostet. Neben den hohen einmaligen Kosten scheue ich mich auch vor der Aktualisierung des Testaments. Denn alle paar Monate kommt eine neue Geldquelle aus dem Internet hinzu, die somit auch im Testament hinterlegt werden müsste. Für den Notar ein gutes Geschäft. Für mich daher nicht besonders attraktiv.

Mich würde interessieren, ob Ihr eine gute Lösung für das Problem parat habt und ob Ihr schon einmal darüber nachgedacht habt.

Wie stellt Ihr sicher, dass Euer digitales Erbe an Eure Nachkommen gereicht wird und nicht in der Hand von den Internet-Firmen liegen bleibt.

Und wisst Ihr, ob es bereits solche Fälle gab? Wie verhalten sich Spreadshirt, Fotolia etc bei einem Sterbefall? Was geschieht mit den Urheberrechten und Lizenzgebühren, die selbstverständlich auch nach dem Ableben weiter erhoben werden und eigentlich zu einer Erbmasse gehören.

Bin gespannt auf Eure Gedanken.

7 Kommentare zu “Dein digitales Erbe”

  1. am 29. May 2012 um 15:42 1.Klaus schrieb …

    Ich weiß aus Fällen aus meinem Bekanntenkreis, dass einige soziale Netzwerke (u.a. Netlog und Facebook) nach der Übermittlung einer Sterbeurkunde auf Wunsch der Hinterbliebenen Accounts löschen, sollten diese keine Zugangsdaten zu den Accounts haben. Ich denke, dass auch Fotolia & Co. da keinen Stein in den Weg legen. Die Urheberrechte der Bilder gehen jedenfalls an deine Erben über.

    Falls du für dich eine einfache Möglichkeit suchst, wäre doch folgendes Konzept eine Überlegung wert: Bei Google Docs oder sonstigen größeren Cloud-Anbietern ein Dokument anlegen, dass die Zugangsdaten zu Fotolia & Co. enthält. Beim Notar müsstest du dann nur die Zugangsdaten zu den Cloud-Accounts hinterlegen, die Dokumente könntest du dann ohne weitere Notarkosten aktuell halten. Alternativ könntest du auch z. B. ein passwortgeschütztes Dokument bei Dropbox, Skydrive & Co. hochladen und beim Notar das Passwort dazu hinterlegen.
    Weitere Alternative: Eine kleine Festplatte verschlüsseln (mit TrueCrypt) und eine Kopie der Schlüsseldatei beim Notar hinterlegen.

  2. am 29. May 2012 um 22:20 2.tomi schrieb …

    Ja das Thema wird oft verdrängt, nach dem Motto, mich triffts irgendwann aber das hat noch Zeit.
    Ich bin auch der Meinung, dass man sich rechtzeitig übers Vererben Gedanken machen sollte.
    Mit dem digitalen Erbe verhält es sich, meiner Meinung nach, genauso wie mit einem realen Erbstück. Im Grunde unterscheidet sich ein gemaltes Bild von einer am PC erstellten Vektorzeichnung nicht großartig.
    In beiden Werken steckt Arbeit, Wissen,Fertigkeiten usw. Nur die Verfügbarkeit ist anders.
    Das Vererben des Urheberrechtes gilt auf jeden Fall für beide Varianten. Zumindest in Deutschland ist das geltendes Recht.

  3. am 2. June 2012 um 11:34 3.Tristan schrieb …

    Also ich habe das so geregelt, daß ich einer Person meines Vertrauens verrate, wo dieser “Zettel” zu finden ist. Es gibt da mehrere Stellen für, aber ich habe ein Schließfach, in dem allerlei Zeug drinliegt – unter anderem nun auch ein Umschlag mit all den Zugangsdaten und einer knappen Bestandsliste vorhandener Werke, die online sind.

    Mehr kann man da nicht tun – oder eben zum Notar gehen, wie Du schon gesagt hast. Aber auch das erscheint mir zu hoch gegriffen. Die Schließfachnummer reicht da zunächst völlig aus (und ist auch leicht zu updaten und kostet dabei trotzdem nicht mehr, als dieses Schließfach eben kostet), so lange jemand da draußen weiß, daß es das gibt… dieses digitale Erbe, daß ich hinterlassen würde.

    Das war mir deswegen so wichtig, weil (anders als bei meiner direkten Arbeitskraft) dieses Einkommen ja auch dann weiterläuft, wenn ich nicht mehr am leben bin. Direkte Arbeitskraft erlischt mit meinem Tode… meine digitalen Güter sterben aber nicht. Deswegen habe ich mich vor zwei Jahren schon darum gekümmert.

    Grüße
    Tristan

  4. am 2. June 2012 um 11:40 4.Tristan schrieb …

    Oh und: Den Schließfachshlüssel hast ja nur Du. Aber Du kannst z.B. bei der Bank verfügen, wer im Falle Deines Ablebens (dafür muß es dann einen Totenschein geben) an das Schließfach dran kann.

    Das ist die sicherste Methode, die mir eingefallen ist (es gibt also Leute, die wissen, daß es das gibt… aber trotzdem kommen sie nicht dran, weil ich noch am leben bin und damit zunächst nur ich den Schlüssel zu diesem Schließfach habe).

  5. am 2. June 2012 um 12:45 5.Bolle schrieb …

    Ich habe mir auch schon häufig darüber Gedanken gemacht. Man will ja schließlich auch das man nach seinem Ableben, die Angehörigen den Verdienst weiter kassieren können und auch die Rechte übergehen.

    Ich denke das eigentlich das Beste wäre hier ein richtiges Testament notariell abzugeben. Zugangsdaten und Adressen kann man ja zum Beispiel auch bei der Bank hinterlegen, Schließfach oder ähnliches. Ich glaube da gibt es recht günstige Anbieter. Ich habe damit noch nichts angestellt, da meine Freundin eigentlich über alles ziemlich gut bescheid weiß, mein E-Mail-Account ist für sie erreichbar, nach Sichtung der Mails dürften auch vergessene Accounts wieder in Erinnerung kommen.

    Danke das Du das Thema hier aufführst, vielleicht wird hier dann ja auch eine sehr gute Lösung vorgestellt.

  6. am 2. June 2012 um 12:46 6.Bolle schrieb …

    Achja: Mein aufrichtiges und herzliches Beileid für den Verstorbenen!

  7. am 25. June 2012 um 14:07 7.R. Kneschke schrieb …

    In meinem Buch “Stockfotografie” habe ich dem Thema ja ein Kapitel gewidmet. Prinzipiell wäre die Hinterlegung der Webseiten und Passwörter beim Notar im Rahmen eines Testaments sicher eine gute Möglichkeit.

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